Aufmerksamkeit im Hessischen Rundfunk

Aufmerksamkeit im Hessischen Rundfunk

Das Problem der Lieferengpässe hat das Fernsehen erreicht. Am Sonntag um 18 Uhr berichtete das Magazin „defacto“ im Hessischen Rundfunk über die Mühen eines Schilddrüsenpatienten, dessen Thyroxin-Präparat nicht lieferbar ist. Der Patient wurde auf einer Tour durch etliche Apotheken begleitet, die das verordnete Produkt nicht bestellen konnten.

Die Angst des Patienten um seine Gesundheit wurde in dem Beitrag deutlich. Außerdem wurde angesprochen, dass etliche weitere wichtige Arzneimittel betroffen sind, aber zu den Ursachen des Problems wurden nur einige Ansätze vermittelt. Die Firma Merck als Hersteller des betroffenen Produktes habe auf eine Anfrage des Hessischen Rundfunks nur schriftlich geantwortet und auf technische Probleme bei einer Systemumstellung verwiesen. Eine Verpackungslinie müsse bei mehrtägigem Stillstand umgerüstet werden. Außerdem kam Dr. Hans Rudolf Diefenbach, stellvertretender Vorsitzender des Hessischen Apothekerverbandes, zu Wort. Er erklärte die Lieferengpässe bei vielen Herstellern mit dem Preisdruck durch Rabattverträge und der Produktion der Arzneimittel außerhalb Europas. Der von vielen Fernsehredaktionen gerne interviewte Gesundheitsökonom Prof. Dr. Gerd Glaeske wurde ebenfalls befragt und erklärte, dass Lagerbestände Kapital binden. Daher würden teure Arzneimittel zunehmend „just in time“ produziert, doch dies führe in globalisierten Märkten mit Warenströmen über große Entfernungen zu Problemen.

Nach der Sendung sprach DAZ.online mit Hans Rudolf Diefenbach, der für den Beitrag ausführlich im Kontakt mit der „defacto“-Redaktion gestanden hatte. Diefenbach bedauerte gegenüber DAZ.online, dass viele angesprochene Themen leider nicht erwähnt worden seien. Der Themenkreis der generischen Substitution wurde in dem Beitrag nicht angesprochen. Daher sei auch nicht deutlich geworden, wie die Apothekenteams die Probleme der Patienten lösen könnten und welche Mühe sie damit hätten. Außerdem seien die Zusammenhänge zur Produktion von Arzneimitteln im Ausland nicht deutlich erklärt worden, so Diefenbach. Doch Diefenbach zeigte sich erleichtert, dass das Problem nun endlich in die Öffentlichkeit getragen worden sei. Die Apotheker müssten nun weiter auf ihre Schwierigkeiten aufmerksam machen. „Die Debatte darf nicht beendet werden“, forderte Diefenbach.

Unternehmen nutzen Engpass-Register

BERLIN. Das Ende April aufgelegte Register zur Erfassung von Lieferengpässen bei Arzneimitteln wird angenommen.

Bislang (Stand Dienstag) finden sich darin drei Einträge: das Onkologikum Vinblastinsulfat von Teva, der Blutverdünner Certoparin-Natrium von Novartis und das Mittel zur Behandlung von Wachstumsstörungen Mecasermin von Ipsen Pharma. Das Register wird beim Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) geführt.

Engpässe vor allem bei Onkologika und Antibiotika sollen Unternehmen melden. Dies sei noch freiwillig, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Der Verband der Einzelimporteure internationaler Arzneimittel (VEIA) hat davor gewarnt, die in jüngerer Vergangenheit aufgetretenen Lieferenpässe aufzubauschen.

Dies führe zur Verunsicherung der Patienten. Tatsächlich handele es sich dabei aber nicht um ein Thema der Versorgungssicherheit. Ursache seien vielmehr schlecht ausgehandelte Verträge, stellte die Vorsitzende des Verbandes, Sabine Paukert, dazu fest. (sun/af)

Einzelimporteure empfehlen sich bei Lieferengpässen

Import statt Defekt: VEIA-Chefin Sabine Fuchsberger-Paukert empfiehlt Einzelimporte bei Lieferengpässen.

Berlin – Über Lieferprobleme bei Arzneimitteln wird seit Monaten immer wieder diskutiert: Apotheker und Kliniken wollen die Defekte protokollieren, Ärzte fordern den Aufbau einer nationalen Arzneimittel-Reserve und das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat die Beteiligten zu einem Gipfeltreffen geladen. Beim Verband der Einzelimporteure internationaler Arzneimittel (VEIA) versteht man die Aufregung nicht.

Ist ein Arzneimittel nicht lieferbar, sollten sich Apotheken an die Einzelimporteure wenden, rät Sabine Fuchsberger-Paukert, Verbandsvorsitzende des VEIA. „Oftmals denken die Apotheken aber nicht daran, bei einem Engpass nach einem Import zu fragen.“ So habe eine Umfrage unter den Verbandsmitgliedern ergeben, dass diese im vergangenen Jahr keine steigende Nachfrage verzeichnet hätten.

„Nicht jede Lieferschwierigkeit ist ein Versorgungsengpass. Zumeist stehen Alternativen zur Verfügung.“ Bei Tollwutimpfstoffen hätten die Einzelimporteure beispielsweise wiederholt aushelfen können: „In Deutschland gibt es die Impfstoffe nur in kleinen Mengen, aber im Ausland sind sie verfügbar“, erklärt Fuchsberger-Paukert.
Mit einem Merkblatt will der VEIA Apotheken zeigen, unter welche Bedingungen ein Einzelimporteur kontaktiert werden kann: wenn Wirkstoff, Wirkstärke oder Applikationsart nicht erhältlich sind oder das Medikament außer Handel oder vorübergehend nicht lieferbar ist.

Die Kosten müssten im Vorfeld mit der Krankenkasse abgeklärt werden, betont Fuchsberger-Paukert. Der eigentliche Import dauere dann nur wenige Tage.

Eine Generallösung für Lieferengpässe können die Einzelimporteure allerdings nicht bieten: Wenn Arzneimittel in nur ein oder zwei Werken produziert würden, und weltweit nicht verfügbar seien, könnten auch die Einzelimporteure nicht aushelfen.

Außerdem müssten die Importe auf Ausnahmefälle beschränkt bleiben: „Wir können nicht Flugzeugladungen an Arzneimitteln besorgen, sondern nur im Einzelfall tätig werden – und so soll es auch bleiben“, so Fuchsberger-Paukert.
Nach Schätzungen des VEIA werden jährlich rund 1,2 Millionen Packungen von Einzelimporteuren eingeführt. Das entspricht 0,09 Prozent aller in Deutschland abgegebenen Packungen. 120.000 Packungen werden von den Krankenkassen und privaten Krankenversicherungen erstattet.

Einzelimporteure: Kein Anlass zur Verunsicherung

Seit Monaten ist das Thema Lieferengpässe im Gespräch. Aus Sicht des Verbands der Einzelimporteure internationaler Arzneimittel (VEIA) ist die Situation allerdings nicht so dramatisch, wie vielfach dargestellt. Beschaffungsschwierigkeiten seien oft schon zu lösen, wenn Apotheken an die Möglichkeit des Einzelimports dächten, so die VEIA-Vorsitzende Sabine Paukert.

Die derzeitige Diskussion um die Lieferengpässe nimmt man beim VEIA mit einer gewissen Verwunderung wahr: Seit 20 Jahren machten die Einzelimporteure eigentlich nichts anderes als solche Engpässe zu beseitigen, sagt Paukert. Auch eine Umfrage bei den neun VEIA-Mitgliedsunternehmen habe gezeigt: Eine vermehrte Nachfrage gab es bei ihnen in den vergangenen Monaten nicht.

Was die von den Krankenhäusern – und dem Verband der Krankenhausapotheker ADKA – beklagten Engpässe angeht, so liege das Problem vor allem in den Verträgen der Kliniken, erklärt Paukert. Sie bänden sich an bestimmte Hersteller – und wenn dieser ausfalle, sähen sie in der Regel keine Alternative. Selbst wenn ein Einzelimport möglich wäre, seien sei zumeist nicht bereit, zusätzliche Kosten hierfür auf sich zu nehmen.

Öffentliche Apotheken haben hingegen mehr Alternativen, wenn ein Arzneimittel nicht lieferbar ist. Zunächst müssten sie schauen, ob ein Äquivalent verfügbar ist. Wenn nicht, sollten sie an den VEIA denken, so Paukerts Botschaft. Leider geschehe diese noch viel zu selten. Dabei könnten die VEIA-Mitglieder in der Regel schnell und kompetent helfen.

Sie ist überzeugt: Die meisten Arzneimittel sind zu beschaffen. Dies sagt sie auch mit Blick auf die drei Präparate, die sich bereits in der BfArM-Liste befinden: Vinblastinsulfat (Teva), Certoparin-Natrium (Novartis) und Mecasermin (Ipsen). Alle drei Arzneimittel könnten von den VEIA-Mitgliedsunternehmen besorgt werden. Grenzen gibt es natürlich auch für die Importeure. Etwa wenn es weltweit tatsächlich nur noch einen Wirkstoffhersteller gibt und dieser ausfällt. Diese Arzneimittel, so Paukert, seien jedoch abzählbar.

Weitere Informationen über Arzneimittelimporte nach § 73 Abs. 3 Arzneimittelgesetz und den VEIA finden Sie unter www.veia-news.de.

Kirsten Sucker-Sket

Lieferengpässe nicht dramatisieren

Der Verband der Einzelimporteure internationaler Arzneimittel (VEIA) kann die Debatten um Lieferengpässe bei Arzneimitteln nicht nachvollziehen. Man sei «überrascht» gewesen, wie sehr das Thema im letzten halben Jahr in den Medien «aufgebauscht» wurde, verkündete der Verband gestern in Berlin. Schließlich könnten die Einzelimporteure fast jedes Medikament, das in Deutschland nicht lieferbar ist, auf dem Weltmarkt besorgen.

Diese Möglichkeit werde im Falle von Lieferengpässen aber kaum in Anspruch genommen: «Bei unseren Mitgliedern gab es in den vergangenen Monaten keine steigende Nachfrage nach Importen», erklärte die VEIA-Vorsitzende Sabine Paukert. Die kürzlich erfolgte Einrichtung eines Registers zu Lieferengpässen beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfarM) kann man beim VEIA deshalb nebensowenig nachvollziehen wie Forderungen nach einer nationalen Arzneimittelreserve. Einzelimporte seien «sinnvoller und kostengünstiger», so Paukert.

Allerdings sind Einzelimporte stets mit Transportkosten verbunden, die in vielen Fällen der Patient trägt. Der VEIA räumte ein, dass die Kosten für Individualimporte von den Krankenkassen «nur in Ausnahmefällen erstattet» würden. Von den jährlich etwa 1,2 Millionen importierten Packungen übernähmen die Kassen gerade einmal 10 Prozent.

Dennoch wirbt der Verband für diese Form der Medikamentenbeschaffung und spricht in diesem Zusammenhang von «vernachlässigbaren Kosten». Man wünsche sich, dass Apothekenmitarbeiter ihren Kunden bei Lieferengpässen häufiger vorschlagen, das entsprechende Medikament aus dem Ausland zu importieren. Auch könnten Apotheker den Erstattungsantrag für den Patienten übernehmen. In Kürze will der VEIA ein Merkblatt an alle deutschen Apotheken versenden, auf dem die Vorteile von Einzelimporten aufgelistet sind. (ah)

Orginalartikel: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/2013-05/einzelimporteure-lieferengpaesse-nicht-dramatisieren/

Einzelimporteure: Kein Anlass zur Verunsicherung

Die derzeitige Diskussion um die Lieferengpässe nimmt man beim VEIA mit einer gewissen Verwunderung wahr: Seit 20 Jahren machten die Einzelimporteure eigentlich nichts anderes als solche Engpässe zu beseitigen, sagt Paukert. Auch eine Umfrage bei den neun VEIA-Mitgliedsunternehmen habe gezeigt: Eine vermehrte Nachfrage gab es bei ihnen in den vergangenen Monaten nicht.

Was die von den Krankenhäusern – und dem Verband der Krankenhausapotheker ADKA – beklagten Engpässe angeht, so liege das Problem vor allem in den Verträgen der Kliniken, erklärt Paukert. Sie bänden sich an bestimmte Hersteller – und wenn dieser ausfalle, sähen sie in der Regel keine Alternative. Selbst wenn ein Einzelimport möglich wäre, seien sei zumeist nicht bereit, zusätzliche Kosten hierfür auf sich zu nehmen.

Öffentliche Apotheken haben hingegen mehr Alternativen, wenn ein Arzneimittel nicht lieferbar ist. Zunächst müssten sie schauen, ob ein Äquivalent verfügbar ist. Wenn nicht, sollten sie an den VEIA denken, so Paukerts Botschaft. Leider geschehe diese noch viel zu selten. Dabei könnten die VEIA-Mitglieder in der Regel schnell und kompetent helfen.

Sie ist überzeugt: Die meisten Arzneimittel sind zu beschaffen. Dies sagt sie auch mit Blick auf die drei Präparate, die sich bereits in der BfArM-Liste befinden: Vinblastinsulfat (Teva), Certoparin-Natrium (Novartis) und Mecasermin (Ipsen). Alle drei Arzneimittel könnten von den VEIA-Mitgliedsunternehmen besorgt werden. Grenzen gibt es natürlich auch für die Importeure. Etwa wenn es weltweit tatsächlich nur noch einen Wirkstoffhersteller gibt und dieser ausfällt. Diese Arzneimittel, so Paukert, seien jedoch abzählbar.

Weitere Informationen über Arzneimittelimporte nach § 73 Abs. 3 Arzneimittelgesetz und den VEIA finden Sie unter www.veia-news.de.

Kirsten Sucker-Sket